Steinplatte Crawinkel

Steinplatte an der Gemeindeschenke zu Crawinkel

Mit dem thüringischen Dörfchen Crawinkel bin ich in vielerlei Hinsicht verbunden. Zum einen wohnen dort nette Freunde. Andererseits ist Crawinkel und seine reizvolle Umgebung seit einigen Jahren der Ort meines geschichtlichen Betätigungsfeldes. Das ganz in der Nähe gelegene Jonastal hat es mir besonders angetan. Der Crawinkler Geschichtsverein „Alte Mühle“ ist meine dortige Heimat. Der geschichtsträchtige Ortskern mit seiner imposanten Marienkirche fasziniert mich seit Beginn an. Und auch seit Beginn an beziehe ich während meiner Touren dorthin mein Quartier in der Gemeindeschenke im Ort.

Gemeindeschenke in Crawinkel mit seitlichem Anbau linksDas altehrwürdige beeindruckende Gebäude mit seinen mächtigen Kellergewölben zählt zu den ältesten des Ortes; seine Entstehung ist auf die Zeit um das Jahr 1564 zurück zuführen. Hiervon kündet eine Inschrift an der Frontseite des Gebäudes. Sie lautet folgendermaßen:

1564 haben Jacob Ackerman und Valten Horn baumeistere Claus Reinhart Und Pangratz Moller Vormundeun des dorffs Crawinkel itziger zeit diesen gebau zumachen angefangen.

Darunter befindet sich eine große Steintafel mit zahlreichen Verzierungen und einem herrlichen Wappen darin.

Kirche Sankt Marien in Crawinkel vom Markt aus gesehenAngetrieben von dem Wunsch, mehr – und möglichst alles – über die Geschichte und die Bedeutung dieser Steintafel zu erfahren, ist dieses Projekt entstanden. Gegenwärtig arbeite ich an einer Serie von Bildern, bei der ich alte Thüringer Architektur, frühzeitliche und mittelalterliche Relikte vergangener Bauwerkskunst auf Leinwand bannen will. In diese Serie fügt sich die „Steintafel an der Gemeindeschenke zu Crawinkel“ ein.

Schild oberhalb der Wappentafel an der Gemeindeschenke zu CrawinkelBesonders herausfordernd war die Umsetzung des Wappens mit seinen einzelnen Elementen und Feldern. Dabei musste ich mich mit heraldischen Grundsätzen und der ernestinischen Geschichte befassen, um die Bedeutung des Wappens zu ergründen. Dies war umso schwerer, da der Zahn der Zeit doch schon erheblich an dem Relief genagt hat und die Darstellungen in den Wappenfeldern teilweise nur noch zu erahnen sind.

Ich habe mich dann daraufhin auch dazu entschlossen, bei der Umsetzung mit Acryl auf Leinwand auf eine ganz besondere Art und Weise heranzugehen. Das Wappen selbst stelle ich in einem frischen, lebendigen Zustand dar, wie es wohl einmal ausgesehen haben muss. Dahingegen sind alle anderen Elemente und Verzierungen mit all ihren Altersspuren und Verwitterungen abgebildet. Durch die Kombination des Originalzustandes des einstigen ernestinischen Wappens mit dem Finish der Jahrhunderte schlage ich eine Brücke von der Gegenwart zurück in die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts. Ich hoffe, dass mir dieser Brückenschlag gelungen ist und auch der Betrachter beim Eintauchen in das Bild eine kleine Zeitreise unternehmen kann.

Wappentafel an der Gemeindeschenke zu Crawinkel in ihrem heutigen ZustandWenn ich es geschafft habe, den Betrachter für die Schönheit längst vergangener Kunst zu begeistern und ihn in gewisser Weise für die Verantwortung für die uns anvertrauten geschichtlichen Relikte, die leider all zu oft dem Verfall preis gegeben sind, zu sensibilisieren, dann habe ich mein Ziel schon erreicht.

Nachfolgend noch eine kurze und zusammengefasste Erläuterung zur heraldischen Bedeutung des Wappens.

Das dargestellte Wappen ist jenes des Herzogtums Sachsen (ernestinischer Gesamtstaat) vor dessen durch die Erfurter Teilung von 1572 eingeleiteten Zerfall in einzelne Herzogtümer. Es besteht neben anderen heraldisch wichtigen Elementen im Wesentlichen aus 2 Teilen, dem eigentlichen Wappenschild und den Helmen mit ihrer jeweils aufsitzenden Helmzier, die am deutlichsten die damaligen Herrschafts- und Besitzverhältnisse wieder spiegeln.

Die 3 oberhalb des Wappenschildes angebrachten Helme haben die folgende Bedeutung:

1. von links: Landgrafschaft Thüringen: zwei silberne Büffelhörner, die mit je fünf grünen Lindenzweigen besteckt sind, das jeweils fünfte in der Hornmündung.
2. von links: Herzogtum Sachsen: ein gekrönter Spitzhut ("Säule"), in der Hutkrone ein natürlicher Pfauenstoß.
3. von links: Markgrafschaft Meißen: ein rot-silbern gestreifter Mannesrumpf ohne Arme mit ebensolcher Mütze, an der eine natürliche Pfauenquaste hängt.

Das Wappenschild ist 3-fach gespalten und 4-fach geteilt mit hervorgehobenem Herzschild und setzt sich somit aus 12 Feldern zusammen. Es liest sich aus der Sicht des Betrachters (von oben nach unten und von links nach rechts) folgendermaßen:

Wappen an der Gemeindeschenke zu Crawinkel in stark verwittertem Zustand, hier die Zeilen 1 und 2Zeile 1:
Feld 1: Pfalzgrafschaft Sachsen: In Blau ein golden gekrönter goldener Adler, Feld 2: Landgrafschaft Thüringen: In Blau ein golden gekrönter und bewehrter Löwe, von Silber und Rot siebenmal geteilt. Feld 3: Markgrafschaft Meißen. In Gold ein schwarzer Löwe, rot bewehrt

Wappen an der Gemeindeschenke zu Crawinkel in stark verwittertem Zustand, hier die Zeilen 1, 2 und 3Zeile 2:
Feld 1: Grafschaft Orlamünde: In einem mit roten Herzen (Seeblätter) bestreuten goldenen Feld ein rot gekrönter und bewehrter schwarzer Löwe. Der Löwe ist hier gewendet; Feld 2: Herzschild: Herzogtum Sachsen: Von schwarz und Gold neunmal geteilt, darüber ein grüner schrägrechter Rautenkranz; Feld 3: Herrschaft Pleissen. In Blau ein von Gold und Silber geteilter Löwe

Zeile 3:
Feld 1: Grafschaft Brehna: In Silber 3 (2:1) im Dreipaß ausgeschlagene rote Seeblätter; Feld 2: Markgrafschaft (Herrschaft) Landsberg: In Gold zwei blaue Pfähle; Feld 3: Pfalzgrafschaft Thüringen: In Schwarz ein goldener Adler

Wappen an der Gemeindeschenke zu Crawinkel in stark verwittertem Zustand, hier die Zeilen 3 und 4Zeile 4:
Feld 1: Rotes, leeres Regalienfeld; Feld 2: Burggrafschaft Altenburg: In Silber eine fünfblättrige rote Rose, golden bebutzt, mit grünen Kelchblättern; Feld 3: Herrschaft Eisenberg (Isenberg): In Silber drei blaue Balken

 
 
 
         
 
     
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